Warum „Human-made“ das neue „Bio“ sein wird

13. August 2026 – 

Holzschale mit frischem Gemüse wie Aubergine, Paprika, Tomate und Blattgemüse.

Die Entwicklung im Bereich KI schreitet in riesigen Schritten voran. Dinge, die wir heute dank KI für selbstverständlich halten, waren vor zwei bis drei Jahren noch undenkbar. Sei es im Bereich der Bildretusche oder beim Texte schreiben. Und auch Design soll ja heute bereits durch KI alle Agenturen ersetzen.

Ich würde sogar eher behaupten, dass KI bislang nur unterdurchschnittliche Designer ersetzen kann. Jetzt könnte man sagen: „Noch!“ Aber ich lehne mich tatsächlich gerne aus dem Fenster und sage: Das wird sich in den kommenden 10 Jahren nicht ändern. Doch warum?

Die Agenturwelt selektiert sich von selbst. Das Mittelmaß muss weichen.

Jeder von uns hat in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten die Entwicklung des Internets verfolgt und natürlich haben sich gewisse Druckereien oder Anbieter von Telefonbüchern vom Markt verabschiedet. Beim Telefonbuch gehe ich aber so weit, dass hier eher das Aussterben der Festnetzanschlüsse relevanter ist. Und bei den Druckereien haben sich die durchgesetzt, die entweder effizienter wurden oder einfach extrem gut sind. Sprich, auch hier gilt: Das Mittelmaß ist verschwunden. Vermissen wir es? Nein.

Und genau so prognostiziere ich für die kommenden zwei bis vier Jahre einen der stärksten Umbrüche in der Agenturlandschaft. Viele Anbieter werden verschwinden und werden wir sie vermissen? Nein. Einfach, weil die Ergebnisse unterdurchschnittlich gut waren. Und wer genau dort eingekauft hat, der kann auch in Zukunft alleine mit KI oder mit sogenannten KI-Agenturen – oder nennen wir es gleich Agenten – arbeiten. Der einzige Unterschied, der bei KI noch hinzukommt, ist aktuell: Einheitsbrei. Vorher war der bezahlte Bullshit wenigstens noch ein bisschen unique. ;)

KI-Plakate vom Feinsten. Überall.

Jeder kennt sie: Die Whatsapp-Einladung/Story zur Grillparty, dem runden Geburtstag, einem Flohmarkt oder dem nächsten Kita-Fest à la:

Bunt gestaltetes Plakat zum großen Sommerfest der Kita Sonnenschein am 20. Juni 2026 mit Programm, Aktivitäten, Verpflegung und Anmeldeinformationen.
Plakat zum Rumpsteak-Abend imit Foto eines Rumpsteaks, Veranstaltungszeit sowie Menü- und Preisangaben.

Während wir früher sieben verschiedene Schriftarten und ggf. sogar WordArt begegnet sind und hierbei sofort wussten, dass die Kita oder Schule ein Sommerfest feiert, lächelt uns heute ein generischer Einheitsbrei entgegen, der meist sogar massiv überflutet an textlichem Inhalt daherkommt – und wisst ihr was? Das reicht aus. Genau für diese Zwecke reicht KI aus.

Ob wir uns daran irgendwann satt sehen und dies dann auch für den Veranstalter spürbar wird: Ja. Ob das heute so okay ist? Ja. Aber spätestens in 12 Monaten können wir es nicht mehr sehen. Ein echter Designer kann es heute schon nicht mehr sehen.

„Human-made“ als neues Qualitätssiegel

Und genau hier kommt eine Komponente ins Spiel, die mich ein bisschen an die Bio-Bewegung erinnert.

Wenn wir wissen, dass es eine bessere und hochwertigere Alternative gibt, dann entsteht – zumindest in unserem Kopf – automatisch eine Art Qualitätsmerkmal. Ähnlich einem Qualitätssiegel. Und welches Qualitätssiegel kennen wir alle? Das Bio-Siegel. Während wir über die Voraussetzungen zur Bio-Zertifizierung sicherlich streiten können, wissen wir aber alle, was gemeint ist. Und „Human-made“ – also alles vom Menschen erschaffene – wird in meinen Augen das neue Bio. 

Da bin ich mir zu 100% sicher. Und ja, natürlich darf und soll sich ein Experte in seinem Fachbereich mit KI beschäftigen und diese auch nutzen. Nichts ist besser, als effizienter arbeiten zu können. Wir sind schneller fertig und der Kunde bekommt mehr für das gleiche Budget. Doch nicht jeder Prozessschritt lässt sich durch KI abbilden und gerade in der Kreativarbeit leben wir von neuen Ideen. Von Ideen, die uns unter der Dusche kommen, von Ideen, die das Unterbewusstsein schafft und wir ggf. sogar irgendwo anders mal ähnlich gesehen haben oder uns an einer bestehenden Idee inspiriert haben, diese aber einzigartig und im Idealfall besser gemacht haben.

Und genau hier ist der kleine, aber feine Unterschied: Während KI kopiert (zumindest im Bereich Design) und sich offiziell inspiriert, aber wir gar nicht wissen, woran man sich inspirieren lassen hat, ist das, was wir in unserem Hirn zusammenspinnen, viel wertvoller. Gerade, wenn mehrere Personen gemeinsam an etwas brainstormen. 

Ich bringe mal ein konkretes Beispiel mit. Ein User lässt sich durch KI ein Logo erstellen. Das Logo sieht gut aus (erste Hürde genommen). Und angenommen, das Design funktioniert sogar noch (das muss man erstmal hinbekommen, denn hier wird Design das erste Mal wertvoll – nie beim einfach nur „gut aussehen“). Doch niemand weiß, woher die „Inspiration“ kommt. Und so kann es sein, dass eine KI dem mittelständischen Unternehmen Meisterhuber (fiktiver Name) ein Logo vorschlägt, dass von der Konkurrenz (ist ja für die KI naheliegend) abgeschaut wurde. Erstmal fällt das niemandem auf. Woher auch, es gibt ja keinen, der es verraten könnte. Doch dann kommt die böse Überraschung. Post vom Anwalt: Urheberrechtsverletzung, etc. – Natürlich kann dies auch bei von Menschenhand geschaffenen Logos passieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass KI solche Ergebnisse liefert ist einfach exorbitant höher. Hier könnte ich jetzt noch tiefer allgemein in die Gesetzeslage einsteigen. Insbesondere müsste man rein von der KI erschaffene Ergebnisse ja sowieso kennzeichnen.

Wir leben „Human-made“ – statt Einheitsbrei

Aber halten wir fest: Wer auf Einheitsbrei steht, war schon immer woanders besser aufgehoben als bei uns. Wer jetzt noch richtig Geld sparen will, der ist bei der KI genau richtig. Ihr zerstört damit zwar ein paar Arbeitsplätze – aber nicht unsere.

Wir freuen uns auf die, die weiterhin in echte Qualität und Human-made investieren wollen. Und das wird zum Glück auch noch eine ganze Weile so laufen. 

Autor

Simon Eberhardt

Gründer & Geschäfts­führender Gesell­schafter

Der Gründer von ideen­hunger. Seit mehreren Jahren auf­grund der chronischen Erkrankung ME/CFS nunmehr im Hinter­grund tätig. Hat Marketing mit Schwer­punkt Public Relations an der Hoch­schule der Medien in Stutt­gart studiert und sein erstes Unter­nehmen mit 19 Jahren gegründet.

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